Ob als normaler Bürger, als Gewerbe- oder Industrieunternehmen, wenn wir an Stadtwerke denken, dann denken wir sofort und überwiegend an unsere zuverlässige Versorgung, und zwar mit Wasser, mit Gas, Strom und Wärme. Das beschreibt die Kerngeschäftsfelder der Stadtwerke als regionale Versorger oder besser gesagt: das waren mal die Kerngeschäftsfelder über Jahrzehnte.

Nichts ist so beständig wie der Wandel. Politische Rahmenbedingungen ändern sich zum Teil rasant. Die Gesetzgebung, Deregulierung der Netze, EU-Gesetze und vor allem eine vor wenigen Jahren noch nicht in allen Ausprägungen und Auswirkungen bekannte Umweltpolitik – Stichwort „Energiewende“ – sind der Motor des Wandels. Wer hätte vor einigen Jahren geglaubt, was wir so rasch erleben. Dass Energie (Beispiel Stromhandel EPEX Spotmarkt) einmal so preiswert gehandelt wird wie derzeit? Die Energie, die beim Endverbraucher ankommt, wird jedoch trotzdem ständig teurer.

Stadtwerke wandeln sich vom Energieversorger zum Dienstleister

Die Gewinnmargen eines EVUs beim Energiehandel sind zu gering um die gewachsenen Unternehmensstrukturen profitabel zu erhalten. Neue Geschäftsfelder müssen erschlossen werden um mindestens das zu erwirtschaften, was an alten gewohnten Stellen wegbricht.

Stadtwerke werden zum Beratungsunternehmen

Eine Vielzahl von Energiedienstleistungen wurden entwickelt. Dies war auch dringend nötig, ist es doch mittlerweile relativ unübersichtlich geworden im Dschungel von Verordnungen und Richtlinien. Welcher Industrie- oder Gewerbebetrieb findet sich beispielsweise noch ausreichend zurecht wenn es um planbare, gesetzeskonforme und rentable Energieversorgung geht? Um nur einige Beispiele zu benennen: Die Endenergieeffizienz- und Energiedienstleistungsrichtlinie der Europäischen Union, welche über das Energiedienstleistungsgesetz Eingang in die deutsche Gesetzgebung fand. Dieses zwingt zu Maßnahmen zur Energieeffizienzsteigerung und damit zur CO2-Reduzierung.
Besonders die Stadtwerke unter den Energieversorgungsunternehmen sind hier an vorderster Front. Kompetenzbereiche, die durch ihr Wissen und durch qualifizierte Energieberatung bestens ausgefüllt werden könnten. Zum Beispiel bei der Einführung von Energiemanagementsystemen nach ISO 50001 und Energieaudits nach DIN EN 16247-1. Sobald ein produzierendes Unternehmen Ermäßigungen bei der Strom- und Energiesteuer sowie bei der EEG-Umlage erreichen will, ist es laut des neuen Energiedienstleistungsgesetzes (EDL-G) zu einem Nachweis der Energieeffizienz verpflichtet. Jetzt sind die Berater gefordert.

Wer einmal damit anfängt

…wird sehr schnell merken: sobald ein Kunde in Energiefragen qualifiziert beraten wurde, werden auch die nachfolgenden Aufgaben und damit das Geschäftsvolumen größer. Auf Beratung folgt sehr oft Planung, danach Hilfe bei der Finanzierung und nicht selten der Auftrag zur Errichtung neuer, effizienter Energieinfrastruktur.
Wenn man all dieses als Stadtwerke erfolgreich im Sinne des Kunden gemanagt hat, was sollte diesen dann noch daran hindern auch den Betrieb, die Wartung und die Instandhaltung vertrauensvoll in die Verantwortung seiner Stadtwerke zu übertragen.
Nicht selten entwickelt sich aus diesem Vertrauen auch die ehrenvolle Aufgabe „Stadtwerke als Contractor“. Schon haben Sie zusätzliche Aufgaben und damit ein weites profitables Geschäftsfeld vor sich. Gemeint ist technisches Anlagenmanagement und Betriebsführungs-Contracting. Die technische Betriebsführung einer Anlage umfasst hier Aufgaben wie die Überwachung, die Instandhaltung und das Servicemanagement. Die kaufmännische Betriebsführung umfasst Aufgaben für das Abrechnungs- und Versicherungswesen, Erfassung von Betriebsdaten und vieles mehr.

Kundenbindung – ist das wichtig?

Wer glaubt darauf verzichten zu können, kommt rasch in unruhiges Fahrwasser. Schnell sind im Zeitalter deregulierter Märkte Mitbewerber aktiv und erfüllen Kundenwünsche exzellent. Ist das mal passiert bedarf es erheblichen Aufwand um einen verlorenen Kunden wieder zurück zu gewinnen.

Stadtwerke und regenerative Energien

Passt hervorragend zusammen. Es gibt mittlerweile genug Beispiele, die das belegen. Wasserkraft in der Hand der Stadtwerke gab es in vielen Regionen bereits früh. Hinzu kommt nun Windkraft und Photovoltaik. Energiegewinnung mit der Sonne ist ideal, weil einsetzbar von einer kleinen PV-Anlage für ein Einfamilienhaus mit Batteriespeichern bis hin zum großen Solarpark. Einige Stadtwerke haben bereits Erfahrung auf diesen Ebenen. Eine Vielzahl von PV-Systemen speist in den Netzbereich ein, zum Teil befinden sich die Anlagen im Eigentum des Kunden, teils im Eigentum oder im Contracting der Stadtwerke. In jedem Fall ist eine hohe Kundenbindung erreicht. Egal wie das geschieht, beides erfordert eine Kontrollinstanz. Diese Herausforderung meistern einige Stadtwerke hervorragend mittels übergeordnetem Leitstandsystem. Man behält damit nicht nur die technische Kontrolle über alle Einspeiser. Zugleich ist es auch die intelligente Basis um weitere Services anbieten zu können. Ein Serviceleitstand unterstützt technische Betriebsführung, automatisiert Prozesse, automatisiert Fehlererkennung und Servicemanagement. Und was besonders wichtig ist: er macht das Geschäft hoch profitabel!